Veröffentlichung des Manifests der kulturellen Allmende

Pressemitteilung - Veröffentlicht am 1. Februar 2010

Letzte Woche wurde im Rahmen des von der Europäischen Union unterstützten Forschungsnetzwerkes Communia das "Manifest der kulturellen Allmende" (Public Domain Manifesto) veröffentlicht [1, 2]. Die Piratenpartei Deutschland möchte dieses wichtige Dokument unterstützen und hat es daher mitgezeichnet [3].

Zu der Allmende im Sinne des Manifests gehören alle kulturellen Güter, die ohne die Beachtung von entsprechenden Werkrechten bedingungslos benutzt werden können. Sie bedeutet daher Reichtum an freien Informationen und Wissen, der nicht durch Urheberrechte oder sonstige Beschränkungen, welche den Zugang oder die Verwendung erschweren, belastet wird.

»Dieses Manifest ist eines der wichtigsten Dokumente unserer Zeit. Die Rechteverwerter greifen nach immer mehr Macht und Kontrolle über unser gemeinsames kulturelles Erbe und bringen dabei unsere Freiheit und die Bürgerrechte ernsthaft in Gefahr«, so Christian Hufgard, Pressesprecher der Piratenpartei Hessen und Verantwortlicher des ursprünglich von der Piratenpartei ins Leben gerufenen Internetportals musik.klarmachen-zum-aendern.de [4]. »In dem Manifest werden die in Diskussionen oft zu kurz kommenden Interessen der Gesellschaft festgehalten, die Kultur vor allem um ihrer selbst schätzt und sie nicht nur in Hinblick auf ihren Marktwert betrachtet.«

In dem Manifest werden, neben einer Definition des Begriffs der kulturellen Allmende, auch verschiedene Empfehlungen ausgesprochen. Unter anderem wird festgehalten, dass Rechte wie das Urheberrecht eine von der Gesellschaft verliehene Ausnahme seien und auf das absolut notwendige beschränkt werden müssen.

»Wir wollen, dass Kreative mit ihrer Arbeit gutes Geld verdienen können«, schliesst Hufgard ab, »aber sie haben auch eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft. Kein Werk entsteht im luftleeren Raum. Dieser Tatsache wird durch das Manifest Rechnung getragen.«


Quellen:

[1] http://publicdomainmanifesto.org/node/1
[2] Deutsche Übersetzung des Manifests - http://publicdomainmanifesto.org/sites/www2.publicdomainmanifesto.org/files/Public_Domain_Manifesto_ge.pdf
[3] http://publicdomainmanifesto.org/node/8/signatures
[4] http://musik.klarmachen-zum-aendern.de


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Verantwortlicher Redakteur: Daniel Flachshaar

Kommentare

Für alles Gute gegen Alles böse

So fern hier die Gut/Böse-Alternative abgenickt werden
soll, halte ich den Text nicht für geschichtlich relevant.
Problem wird aber berührt: Was ist das Interesse der Gesellschaft?
Und mit dem Begriff "kulturelles Erbe" ist wenig getan,
wenn der Gedanke nicht weitergedacht ist:
Der Fortschritt. Die Innovation. Schöpfung geistigen Wertes.

Isaac Newton wird zugeschrieben: Wenn ich weiter gesehen
habe als andere, so deshalb, weil ich auf den Schultern
von Riesen stehe.

Ein gutes Gleichnis erfrischt den Verstand, meinte Wittgenstein.
und Immanuel Kant sprach vom Beispiel als "Gängelwagen des Verstandes".

Pascal: Mein Buch, mein Kommentar, meine Geschichte. Das erinnert
an jene braven Spießer, die bei jeder Gelegenheit "mein Haus" sagen.
Es wäre besser, wenn sie sagten: unser Buch, unser Kommentar, unsere
Geschichte: wenn man bedenkt, dass das Gute darin mehr von
andern ist als von ihnen.

Proudhon (Marx' Antipode): La propriété c'est le vol. (Diebstahl)

und Goethe bei Eckermann: Ich verdanke meine Werke keineswegs
meiner eigenen Weisheit allein, sondern Tausenden von Dingen
und Personen außer mir, die mir das Material boten. Es kamen
Narren und Weise, helle Köpfe und bornierte, Kindheit und Jugend
wie das reife Alter: alle sagten mir ... als zuzugreifen und das
zu ernten, was andere für mich gesät hatten."

Ich zitiere hier aus einer eigenen Publikation zum Thema
(Neue Sinnlichkeit 48, Blätter für das reden von der Welt, wie sie
wirklich ist, statt immer davon, wie sie sein sollte, Dresden 2004;
S. 41-45). Könnte noch lustig fortfahren.
Empfehle dazu: Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit (1927).

Kurz: Wir stehen also auf den Schultern der Riesen und sehen die
Füße kaum. (Rober K. Merton, Bernhard von Chartres: "Wir sind Zwerge
auf den Schultern von Riesen".).

Was mir hier fehlt an der Allmende: Der springende Punkt.
Da wo dem Fortschritt eine produktive Synergie vorausgesetzt ist,
aus Verwertungsrecht, Folgerecht, Lizenzrecht, weil für bestimmten
Fortschritt im 21. Jahrhundert erheblicher Kapitalaufwand eingesetzt
wird, damit gewinnträchtiger Fortschritt erarbeitet werden kann. Das betrifft
systematische Laborreihen und Forschungsteams wie Einzelnerfinder
und kostspieliges Equipement (Teilchenbeschleuniger).
Wo also keine wirtschaftsrechtlichen Ansprüche Bedingung sind, ist
die Allmende redundant und überflüssig. Da sind
Zugang und geistige Verfügung meist nicht strittig (Mozart: Autorenname;
aber Techno-Gema für Bizets Habanera).

Jedoch, wo Wirtschaftsziele durchkreuzt werden, indem Zweite und
Dritte geistige Güter zu Geld und eigenen Rechten beanspruchen
können, muss die Abgrenzung definiert werden.
Das fehlt mir in dem Manifest.
Wenn die wirtschaftsrechtliche Grenze nicht klar ist, bleiben
Not-for-Profit-Industies übrig. Aber alles was kapitalintensiv und
kostspieliger ist, wird verhindert und bleibt auf der Strecke.

Dr. Dietmar Moews, Piratenpartei Deutschland, Berlin