Keine Stimme für das SWIFT-Abkommen!

Pressemitteilung - Veröffentlicht am 8. Februar 2010

Am 9. und 10. Februar findet im Europäischen Parlament die Abstimmung über das umstrittene SWIFT-Abkommen statt, welches die Überlassung europäischer Bankdaten an die USA regeln soll. Die Piratenpartei Deutschland fordert alle Fraktionen des Parlaments auf, von ihren Mandaten Gebrauch zu machen und gegen den Vertrag zu stimmen.

Die Piraten haben die Verlängerung des SWIFT-Abkommens mit den USA von Anfang an abgelehnt [1]. Die Auslieferung der Bankdaten von Bürgern und Unternehmen aus Europa an die USA ist ein Verstoß gegen die Bürgerrechte. Dies ist durch den Vorwand der Terrorismusbekämpfung nicht zu rechtfertigen. Die Geheimdienste der USA haben durch dieses Abkommen auch die Möglichkeit, Industriespionage zum Nachteil der europäischen Wirtschaft zu betreiben.

Der belgische Finanzdienstleister SWIFT sollte schon seit Anfang Februar die entsprechenden Daten an die USA herausgeben, weigerte sich aber, da die Zustimmung des Parlaments fehlte [2]. In der letzten Woche hat bereits der Innenausschuss des Parlaments mit knapper Mehrheit gegen das SWIFT-Abkommen gestimmt [3]. Auch bei den deutschen Vertretern des Parlaments wird davon ausgegangen, dass sie sich gegen den Vertrag aussprechen [4]. Derweil versuchen die USA, das Abkommen mit aller Gewalt durchzudrücken [5]. Sie warnen vor der Terrorgefahr für Europa und wollen die Weitergabe der Daten notfalls direkt mit den 27 EU-Mitgliedsstaaten verhandeln und das EU-Parlament umgehen [6].

John Martin Ungar, Listenkandidat der Piratenpartei für die kommende Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, sagt dazu: »Besonders nach dem putschartigen Durchpeitschen des Entwurfs durch den Ministerrat am letzten Tag vor dem Inkrafttreten des Lissabonner Vertrags, stellt sich für jeden Europäer die Frage, ob dieser Rat die Interessen der Europäer in der Welt noch glaubhaft vertritt.«

»Der automatische Zugriff auf die Bankdaten ist unnötig und führt nicht zu mehr Sicherheit«, sagt Ungar weiter. »Es ist traurig, dass nicht nur das Parlament in dieser für die Bürger äußerst wichtigen Angelegenheit umgangen werden soll, sondern dass auch noch darüber diskutiert werden muss, ob ein Nein des Parlaments zu einem sofortigen Aussetzen des Abkommens führt.«

Ungar lobt den Finanzdienstleister SWIFT: »Es war vorbildlich, zuerst die Entscheidung des Parlaments abzuwarten. Bei dem Verfahren wurden ganz offensichtlich Fehler gemacht und es wurde versucht, mit Tricks und Druck das Abkommen durchzusetzen.« Er führt weiter aus: »Wegen ein paar nicht transferierter Bankdaten wird das Abendland nicht untergehen. Die Kommission sollte sich stattdessen Gedanken um ein Abkommen machen, das den europäischen Datenschutzstandards entspricht. Hysterie ist ein schlechter Ratgeber und kein Ersatz für gute Politik.«

Die Piratenpartei Deutschland erwartet, dass sich die Mitglieder des Euroäischen Parlaments nicht durch die USA einschüchtern lassen und stattdessen die Bürgerrechte ihrer Bevölkerung schützen.


Quellen:

[1] http://www.piratenpartei.de/Pressemitteilung-091125-Geheime-Tricks-bei-der-Durchsetzung-des-SWIFT-Abkommens
[2] http://futurezone.orf.at/stories/1637991
[3] http://www.netzpolitik.org/2010/ep-innenausschuss-stimmt-gegen-swift
[4] http://www.netzpolitik.org/2010/sagt-die-union-nein-zum-swift-abkommen
[5] http://www.ftd.de/politik/europa/:swift-der-widerspenstigen-zaehmung/50069674.html
[6] http://www.heise.de/newsticker/meldung/SWIFT-Streit-Druck-auf-EU-Parlamentarier-waechst-923094.html


Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland
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Verantwortlicher Redakteur: Daniel Flachshaar

Kommentare

Die Piratenpartei sollte für den Kauf sein

Ich bin seit mehr als 2 Jahren Pirat und nach langen Abwägungen zum Schluss gekommen, dass der Datenankauf der Bundesregierung rechtens und im Einklang mit den Grundzielen der Piratenpartei ist.

1. Es gehört zu den Grundzielen der Piratenpartei die Eigentumsrechte von Firmen an Datensammlungen zu beschränken. Im vorliegenden Fall soll das Kopieren von Firmendaten gegen den Willen der Urheber dieser Daten kriminalisiert werden. Wenn sich die Piratenpartei der Meinung anschließt dies sei unzulässig, wie will sie dann das Recht auf Privatkopien verteidigen und das Urheberecht zurückdrängen?

2. Sicherlich finder ein Eingriff in die Privatshäre der Bankkunden statt. Es ist zweifellos auch Grundziel der Piratenpartei die Privatsphäre der Bürger zu schützen. Dennoch muss man hier genauer hinsehen. Es werden keine Daten von Bürgern "gestohlen". Es wurden Daten von einer Firma "gestohlen." Während Bürger Menschenrechte genießen, haben Firmen keine Menschenrechte. Es ist also etwas grundsätzlich verschiedenes, ob der Staat Privatpersonen ausforscht oder Firmen kontrolliert. Firmen haben eine Rechenschaftspflicht.

3. Ja, es handlet sich natürlich auch um Daten von Privatpersonen. Doch diese Privatpersonen haben diese Daten der Firma, also der Bank freiwillig zur Verfügung gestellt. Natürlich unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit.
Doch auch hier muss man eine Unterscheidung zwischen juristischen und Privatpersonen machen: Juristischen Personen können, anders als Privatpersonen nicht strafrechtlich belangt werden. Privatpersonen, mit Ausnahme von Journalisten und Anwälten, die Kenntnis von einem Verbrechen, z.B. Steuerhinterziehung, erlangen, machen sich eventuell strafbar, wenn sie zu seiner Vertuschung beitragen. Dies gilt nicht für eine juristische Person. Daher sind Daten über kriminelle Handlungen bei juristischen Personen viel sicherer aufgehoben als bei Privatpersonen. Zum rechtlichen Ausgleich dieses Ungleichgewichts sollte daher auch der Zugriff auf Daten im "Eigentum" von juristischen Personen leichter möglich sein, als auf Daten im "Eigentum" privater Personen.

4. Ich setze hier Eigentum und stehlen immer in Anführungszeichen, weil mich das Konzept eines Eigentums auf Information grundsätzlich nicht überzeugt.