In der heutigen Gesellschaft ist eine rapide Entwicklung zu beobachten. Immer mehr Informationen werden angehäuft, die in immer stärkerer Weise miteinander verknüpft werden. Verknüpfte Informationen aber werden zu Wissen, Wissen wiederum bedeutet Macht. Verengt sich also der Zugang zu Wissen auf einen kleinen Kreis von Nutznießern, so kommt es unweigerlich zu einer Ausbildung von Machtstrukturen, die wenige Personen, gesellschaftliche Organisationen oder staatliche Organe bevorzugt und so letztendlich den demokratischen Prozess einer freiheitlichen Gesellschaft gefährdet.
Dieser basiert nämlich auf einer möglichst breiten Beteiligung der Bürger an der Gestaltung und Kontrolle der gesellschaftlichen Vorgänge und ist somit unvereinbar mit dem Informationsvorsprung, den Wenige auf Kosten der Allgemeinheit zu sichern versuchen. Der Einblick in die Arbeit von Verwaltung und Politik auf allen Ebenen der staatlichen Ordnung ist daher ein fundamentales Bürgerrecht und muss zum Wohle der freiheitlichen Ordnung entsprechend garantiert, geschützt und durchgesetzt werden.
Die aktuelle Lage in Deutschland wird bestimmt durch eine Vielzahl unterschiedlicher Regelungen auf den verschiedenen Ebenen und in den vielfältigen Bereichen staatlichen Handelns und nur wenig ist bisher vom "Prinzip der Geheimhaltung" zugunsten eines "Prinzips der Öffentlichkeit" verändert worden, obwohl dies auf treffende Weise die Weichenstellung für eine moderne Gesellschaft im 21. Jahrhundert, auch unter Berücksichtigung der weitreichenden Möglichkeiten der Neuen Medien, verdeutlicht. Verwaltung und Politik müssen endlich auch in der Hinsicht ihrer Transparenz gegenüber dem Bürger ihren Dienstleistungscharakter aner kennen und sich grundlegend darauf ausrichten, einen Informationszugang für die Bürger effizient, komfortabel und mit niedrigen Kosten zu ermöglichen.
Insbesondere für eine Bewertung politischer Entscheidungsträger ist es unabdingbar, dass die Grundlagen politischer Entscheidungen transparent gemacht werden. Negative Beispiele dafür sind die Geheimhaltung des Mautvertrages vor dem Souverän und seinen gewählten Vertretern, sowie die undemokratische Einführung von Wahlmaschinen, die geeignet sind, das primäre Element der Demokratie, die Wahl, zu beschädigen.
Die Piratenpartei will in diesem Sinne auf die Transparenz aller staatlichen Prozesse hinwirken und fordert daher:
Jeder Bürger hat unabhängig von der Betroffenheit und ohne den Zwang zur Begründung das Recht auf allen Ebenen der staatlichen Ordnung, Einsicht in die Aktenvorgänge und die den jeweiligen Stellen zur Verfügung stehenden Informationen zu nehmen. Dies gilt ebenso für schriftliches Aktenmaterial wie digitale oder andere Medien.
Seine Schranken findet dieses Recht in den Bestimmungen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte, der nationalen Sicherheit, zur Verhinderung von Straftaten und ähnlichem. Diese Ausnahmeregelungen sind möglichst eng und eindeutig zu formulieren und dürfen nicht pauschal ganze Behörden oder Verwaltungsgebiete ausgrenzen.
Die Auskunftsstelle ist verpflichtet, zeitnah und in einer klaren Kostenregelung, Zugang in Form einer Akteneinsicht oder einer Materialkopie zu gewähren, um eine breite, effiziente Nutzung der Daten zu ermöglichen.
Die Verweigerung des Zugangs muss schriftlich begründet werden und kann vom Antragsteller, sowie von betroffenen Dritten gerichtlich überprüft werden lassen, wobei dem Gericht zu diesem Zweck voller Zugang durch die öffentliche Stelle gewährt werden muss.
Alle öffentlichen Stellen sind verpflichtet, sowohl regelmäßig Organisations- und Aufgabenbeschreibungen zu veröffentlichen, einschließlich Übersichten der Arten von Unterlagen, auf die zugegriffen werden kann, als auch einen jährlichen öffentlichen Bericht über die Handhabung des Auskunftsrechts.
Unter besonderer Berücksichtigung der immensen Möglichkeiten, die sich mit der rasanten Entwicklung und Verbreitung der Neuen Medien ergeben, gibt es verschiedene Ansatzpunkte, um diesen grundsätzlichen Forderungen Rechnung zu tragen. So sollten staatliche Stellen die Nutzung freier Software forcieren, eine automatische Veröffentlichung dazu geeigneter Dokumente einrichten und allgemein den kostengünstigen und aufwandsarmen digitalen Zugriff ausbauen.
Die Abkehr vom "Prinzip der Geheimhaltung", der Verwaltungs- und Politikvorstellung eines überkommenen Staatsbegriffs, und die Betonung des "Prinzips der Öffentlichkeit", das einen mündigen Bürger in den Mittelpunkt staatlichen Handelns und Gestaltens stellt, schafft nach der festen Überzeugung der Piratenpartei die unabdingbaren Voraussetzungen für eine moderne Wissensgesellschaft in einer freiheitlichen und demokratischen Ordnung.
Kommentare
Ich hoffe, Sie wissen, was
Ich hoffe, Sie wissen, was eine Fraktionssitzung ist. Das ist eine Parteiinterne Sitzung, nicht zu verwechseln mit einer Ausschusssitzung. In einer Fraktionssitzung werden zum Besipiel personelle Entscheidungen getroffen wie: wer wird Außenminister, wenn es zu einer Großen Koalition kommt. Dabei ist wohl verständlich, dass man so etwas zunächst intern bespricht, dann verhandelt und dann an die Presse geht. Man kann es auch gerne anders herum machen, aber ich sehe zumindest einen Sinn in der Reihenfolge: Gedanke entsteht, Gedanke wird mit ein paar Vertrauten besprochen, Gedanke wird versucht in die Realität umzusetzen. Ich weiß nicht, was in der SPD-Fraktionssitzung ausgeplaudert wurde, die Piraten können es ja anders machen, das würde mich aber nicht überzeugen und zum Piratenwähler machen. Fraktionssitzungen sind im übrigen nicht öffentlich, Ausschusssitzungen sind öffentlich sofern nicht sensible Sachen verhandelt werden, ebenso wie Gerichtsverhandlungen öffentlich sind, Ausnahmen sind z.B. Jugendstrafrecht oder bei Vergewaltigungen, da ein öffentliches Verhandeln für die Betroffenen eine Tortur ist und dazu führt, dass noch seltener Täter angezeigt werden.
Bei Gerichtsverhandlungen erfahren Zuschauer einiges: Namen, Gehalt etc., es ist aber nicht erlaubt, diese Daten zu verbreiten, also ein Journalist darf den Namen nicht schreiben z.B. - so schwierig es manchmal die Unterscheidung zwischen öffentlich und öffentlich, dennoch sinnvoll. Stellen Sie sich vor, sie haben einen Unfall mit Todesfolge gebaut, durchaus ohne Schuld zu sein. Dennoch ist es nicht nur unangenehm seinen Namen in diesem Zusammenhang in der Zeitung zu lesen, sondern könnte auch den Job kosten (wenn Sie z.B. in der Probezeit sind und ihr Arbeitgeber der nsicht ist, dass sie - trotz Freispruch - ein Verkehrsrowdie seien.) Nun, auch das mag die Piratenpartei anders sehen, ich finde es sinnvoll und richtig, dass Namen von Angeklagten, Zeugen und Verurteilten nicht verbreitet werden.
Zu den Beträgen, die ausgegeben und eingenommen werden: So etwas nennt man Haushaltsplan, ist meistens ein ziemlich dickes Buch und schwierig zu lesen, weil es in der Form einer Bilanz aufgestellt ist. Es ist aber kein geheimes Dokument. Wenn es Sie interessiert, empfehle ich auf der Seite des BMF zu recherchieren. BMF heißt übrigens Bundesministerium der Finanzen und verwaltet die Einnahmen und Ausgaben des Staates.