Bereits aus unserem Grundsatzprogramm geht hervor, dass wir eine Inhaltsfilterung in Kommunikationsnetzen von staatlicher Seite als Zensur ablehnen. Dies gilt fürs Telefonnetz genauso wie für das Internet.
Zensur ist ein politisches Verfahren, um durch Massenmedien oder im persönlichen Informationsverkehr (etwa per Briefpost) vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte beziehungsweise Gesetzen zuwiderlaufende Inhalte zu unterdrücken und auf diese Weise dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Inhalte veröffentlicht oder ausgetauscht werden.[Wikipedia]
Artikel 5 des Grundgesetzes sagt:
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
Dabei ist besonders zu beachten, dass der Satz 'Eine Zensur findet nicht statt' in Absatz 1 keineswegs durch Abs. 2 relativiert wird. Abs. 2 sagt nur, welche anderen Rechte das Recht aus Abs. 1 beschränken können, nicht etwa, dass diese Beschränkungen mittels Zensur durchgesetzt werden dürften.
Zusätzlich ist zu Abs. 2 zu beachten, dass alle Grundrechte außer der Menschenwürde immer auch dann eingeschränkt werden können, wenn ein anderes Grundrecht dadurch geschützt wird.
In jedem Fall muss der Eingriff aber auch verhältnismäßig sein (d.h. geeignet, notwendig und angemessen).
Keineswegs, denn es gibt ebensowenig ein bisschen Zensur wie es ein bisschen Folter gibt. Das damit verfolgte Ziel rechtfertigt eben nicht die Mittel.
Der Herausgeber der ZEIT, Josef Joffe, schreibt in seinem lesenswerten Kommentar "Tyrannei des Guten":
"Das BKA soll den Providern täglich eine Liste mit inkriminierten Pornoseiten vorlegen? Das nennt man Zensur, und sie würde ohne Gerichtsbeschluss und insgeheim ablaufen"
Am 18.06.2009 wurde das Zugangserschwerungsgesetz durch den Bundestag verabschiedet, vorgeblich ausschließlich als Bekämpfungsmaßnahme gegen Kinderpornografie. Tatsächlich aber findet hier die Etablierung einer Infrastruktur zu flächendeckender Zensur statt, welche rechtsstaatliche Prinzipien aushebelt. Warum dieses Gesetz zweckfremd und zugleich gefährlich ist:
Laut Fahnderkreisen des BKA stammt ein Großteil des Materials von missbrauchten Kindern aus dem familiären Umfeld. Eine Internet-Zensur fördert hier lediglich eine „Kultur des Wegsehens“, zum Schutz der Kinder müssen derartige Seiten komplett gesperrt und die Täter strafrechtlich verfolgt werden – auf internationaler Ebene. Hier darf kein Budget für eine überflüssige, aufwändig zu pflegende Sperrliste missbraucht werden.
Die angestrebte Sperre ist technisch nicht nur unwirksam, sondern fördert entgegen ihrer Intention sogar die Kinderpornografie. Die vermeintlich geheimen Sperrlisten können öffentlich werden, wie dies bereits in Dänemark geschah. So wird die Sperrliste zu einer Art "Katalog" für Pädophile. Gleichsam sparen Anbieter von Kinderpornografie Budget für Spam-Kampagnen. Auch dienen die Sperren als Indikator der Verfolgung, so können Kriminelle sich noch besser dem Zugriff der Strafverfolgungsbehörden entziehen.
Mit dem Gesetz wird die Gewaltenteilung mit der Judikative als Kontrollinstanz übergangen. Anstelle einer richterlichen Anordnung sollen nur stichprobenartige Kontrollen durchgeführt werden. Auch Artikel 5 des Grundgesetzes wird ausgehebelt, welcher Zensur klar verneint: „Eine Zensur findet nicht statt“.
Zudem besteht mangels Verhältnismäßigkeit auch gar kein Recht, in ein Grundrecht einzugreifen, da die Sperren weder geeignet noch notwendig sind.
Mehrere Abgeordnete der CDU sowie SPD äußerten bereits den Wunsch, die Sperren für weitere Zwecke nutzen zu wollen – darunter auch legale und international anerkannte Inhalte wie z.B. Computerspiele aus dem Action-Genre. In einer Erklärung der CDU wurden sogar Urheberrechtsverletzungen auf eine Stufe mit Kinderpornografie gestellt.
Ursula von der Leyen führt als Anlass zum Gesetz den sprunghaften Anstieg von Kinderpornografie im Netz an. Die offizielle Kriminalstatistik vermeldet hingegen einen Rückgang von 25%. Laut einschlägigen Expertenmeinungen findet der Austausch von Kinderpornografie primär in geschlossenen Kreisen statt, selten auf öffentlich erreichbaren Websites. Eine Sperre ändert hier nichts. Als weitere Argumente führte von der Leyen die internationale Entwicklung der Kinderporno-Szene an. Auf eine Anfrage der FDP an die Bundesregierung hin wurde jedoch öffentlich, dass der Bundesregierung keinerlei Daten zu dem Thema vorliegen.
Die größte Petition in der Geschichte der Bundesrepublik - mit über 134.000 Mitzeichnern - wurde ignoriert, stattdessen wurde das Gesetz im Eilverfahren trotz deutlicher Änderungen des Entwurfs durchgedrückt. Vielfältige Expertenmeinungen auch des juristischen Dienstes des Bundestages wurden ebenso ignoriert.
Die Sperren können zu enormen Nebenwirkungen führen. Befindet sich auf dem gleichen Server eine gesperrte Website, führt dies zu einer Sperrung aller anderen dort befindlichen Seiten - Firmenauftritte und private Seiten gleichermaßen. Dass dies zu einem enormen Imageschaden führen und Existenzen zerstören kann, haben Beispiele aus anderen Ländern gezeigt.
Kritiker des Gesetzes wurden wiederholt durch die Union öffentlich in eine Ecke mit Pädophilen gedrängt, indem man ihnen vorwarf, Kinderpornografie zu tolerieren. Und das trotz des Wissens, dass ihre Forderung nach verschärfter Strafverfolgung und Löschung umsetzbar ist: Laut Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags könnte das BKA durch direktes Anschreiben ausländischer Provider eine Löschung erwirken. Die Initiative Jugendschutz.net war nebst anderen mit dieser Methode bereits äußerst erfolgreich.
Mit Hilfe von Suggestivfragen und dem Vorenthalten von Informationen wurden Umfragen erstellt, deren Ergebnis verlauten lässt, dass 90% der Deutschen sich für das besagte Gesetz aussprechen. Eine unabhängige Umfrage mit allen relevanten Informationen hingegen führte genau zum Gegenteiligen Ergebnis: 92% der Befragten sprachen sich gegen die Sperre aus.
Das Gesetz missbraucht die Opfer erneut – diesmal zu politischen Zwecken. Etwas, wogegen sich selbst die Missbrauchsopfer wehren. So positioniert sich der Verein MOGIS (Missbrauchsopfer gegen Internetsperren e.V.) deutlich gegen die Bestrebungen der Bundesregierung.
Kommentare
Was ist Zensur?
Ich frage mich das oft. Denn wenn Zensur nicht erlaubt ist, dürfte es ja auch Verbote nicht mehr geben, oder? Ein Verbot ist doch die Höchstform der Zensur, also würde ein abschaffen der Zensur doch auch ein wegfallen der Verbote mit sich bringen.
Wir sind uns ja sicher einig das einige Sachen schlecht sind, und deshalb Verboten gehören, oder nicht?
Nehmen wir das Thema Kinderporno auf dem alle Leute so herumreiten => Die sind böse und deshalb Verboten.
Sollte es deshalb ein Generalverbot für solche Internetseiten geben? Schwierig das klar zu definieren. Eigentlich müsste man doch sagen das jeder Erwachsene Mensch eine Eigenverantwortung hat, und (in den meisten Fällen) weis was er gerade macht, bzw. sich ansieht. Und genau diese volljährigen Menschen sollten eigentlich auch für ihre Kinder verantwortlich sein, und darauf achten was die sich im Internet ansehen.
Verantwortung in Zahlen ausgedrückt:
70% Eltern und Familie
20% Schule
10% Staat (z.B. durch Gesetze)
Also hat der Staat doch gar nicht die Gewalt über die Zensur sondern die Eltern (z.B. Internetverbot ohne anwesenden Erwachsenen)
Der ganze Unsinn den die Neo-Nazis ins Internet stellen ist einfach nur dumm. Aber sollte er deshalb verboten werden? Ich denke nicht. Wenn jemand der meinung ist das es gut ist Rechts(radikal) zu sein, ist das für mich kein problem. Das Grundgesetz sagt ja, das diese Meinung erstmal frei zu äußern ist, und nur dann eingeschränkt werden darf, wenn sie jemanden in seinen Rechten verletzt oder Bedroht.
Also ist ein Verbot der Verbreitung von rechtsradikalen Medien irgendwo nachzuvollziehen, aber eigentlich auch überflüssig. Viele Menschen (gerade Jugendliche) kaufen sich verbotene Sachen nur aus dem Grund das sie eben verboten sind. Und in den meisten Fällen hat das keinen weiteren Einfluss auf die Entwicklung, sondern gehört eben dazu.
Also sollte man doch erstmal genau überlegen was Zensur ist, und ob sie nicht vieleicht an ein oder zwei Stellen angewendet werden sollte.
Gruß
Pirat (eigentlich Freibeuter ;D)