Veröffentlicht am 15.09.2009
Die Piratenpartei spricht sich entschieden gegen eine Ausweitung der Videoüberwachung im öffentlichen Raum aus. Dies hatten angesichts des tödlichen Attentats auf einen Fahrgast in München bundesweit zahlreiche Politiker gefordert.
„Videoüberwachung verhindert kein einziges Verbrechen“, erklärt Jens Seipenbusch, Vorsitzender der Piratenpartei. „Insofern ist den Opfern dieser Verbrechen auch nicht damit geholfen, wenn jetzt wieder reflexartig nach noch mehr Videoüberwachung gerufen wird. Entscheidend für die Aufklärung von Verbrechen ist die angemessene personelle Ausstattung der Polizei, denn auch 1000 Kameras ersetzen nicht einen Polizeibeamten. Wir müssen endlich die durch kriminologische Studien belegten Fakten anerkennen, dass Kameras keine echte Sicherheit bringen, sondern allenfalls eine trügerische gefühlte."
Nach dem tödlichen Angriff auf einen Fahrgast, der Kinder vor aggressiven Jugendlichen beschützen wollte, hatten Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Justizministerin Beate Merk eine Ausweitung der Videoüberwachung von S- und U-Bahnen gefordert. Bundesweit schlossen sich zahlreiche Politiker dieser Forderung an. Die Piratenpartei lehnt diese populistischen Versuche, den tragischen Fall als Wahlkampfthema zu instrumentalisieren, ab. Die zunehmende Überwachung des Bürgers im öffentlichen Raum betrachtet sie mit großer Sorge. Diese kann Verbrechen nicht verhindern, sondern bestenfalls dokumentieren. Auch die Erhöhung der Aufklärungsrate ist minimal. So konnte 2008 in London durchschnittlich ein einziges Verbrechen durch 1000 Überwachungskameras aufgeklärt werden. Der Nutzen der Kameras steht damit in keinerlei Verhältnis zu ihrem immensem Eingriff in die Privatsphäre der Bürger und zu den Gefahren, die aus den Möglichkeiten des Missbrauchs der Aufnahmen erwachsen.
Anstelle der Ausweitung der Überwachung fordert die Piratenpartei insbesondere eine verbesserte Präventionsarbeit. So muss gefährdeten Kindern und Jugendlichen in Schulen und im Sozialwesen Hilfestellung und Halt geboten werden, bevor diese straffällig werden. Zudem ist die Zivilcourage der Bevölkerung zu stärken und zu schützen. Um begangene Straftaten aufzuklären, ist nach Überzeugung der Piraten eine angemessene Ausstattung der Ermittlungsbehörden entscheidend.
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Kommentare
Lackmustest für Piraten. Privaten Waffenbesitz erlauben?
Ein Lackmustest für die Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit der Ziele der Piraten ist beispielsweise diese Frage:
Befürwortet die Piratenpartei den privaten Waffenbesitz?
Der aktuelle Fall des von jugendlichen Schlägern ermordeten Dominik Brunner aus München zeigt, wie das staatliche "Gewaltmonopol" den Verbrechern Vorteile verschafft. Wäre Brunner bewaffnet gewesen, dann würde er heute vermutlich noch leben.
Üblicherweise halten sich Verbrecher nicht an Waffengesetze. Das sollte zum allgemeinen Wissensschatz eines jeden Staatsbürgers gehören. Warum aber verlangt der Staat vom Staatsbürger, daß dieser sich gefälligst einer Waffenungleichheit auszuliefern habe, um dann im Falle einer erheblichen Straftat gegen ihn weder auf das "staatliche Gewaltmonopol" hoffen zu können, noch eine realistische Chance zur Gegenwehr besteht?
"Liberales Waffenrecht senkt Gewaltkriminalität", steht hier zu lesen:
http://netzwerkrecherche.wordpress.com/2009/03/25/liberales-waffenrecht-...
Wenn die Piraten ihre freiheitlichen Gedanken weiterentwickeln, dann müssen sie zu dem Ergebnis kommen, daß privater Waffenbesitz erlaubt sein muß. Legen sich die Piraten hier Denkverbote auf, sind sie auch in allen anderen Belangen unglaubwürdig. Denn wer A sagt, der muß auch B sagen. Ein bisschen Freiheit nur für Bits and Bytes, aber weiterhin persönliche Einschränkungen in nahezu jeder anderen Form, wie bespielsweise im Zusammenhang mit dem Waffenrecht, das passt einfach nicht zusammen.
Schöne Grüße
Jochen Trebmann