Pressemitteilung - Veröffentlicht am 24.09.2009
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vom 22.09. überwacht die deutsche Justiz immer mehr Telefongespräche.[1] 2008 gab es 5.348 Verfahren, in denen Telefonate und Computerkommunikation abgehört wurden. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um elf Prozent. In Bayern stieg die Anzahl der Überwachungsmaßnahmen sogar um 30 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich allerdings nur auf Abhörmaßnahmen im Rahmen laufender Ermittlungs- und Strafverfahren wegen eines konkreten Verdachts auf eine Straftat. Abhöraktionen und Lauschangriffe der Polizei zu präventiven Zwecken sind hier nicht enthalten, ebensowenig Eingriffe der Geheimdienste in das Fernmeldegeheimnis.
Die Piratenpartei beobachtet diese Tendenz mit großer Sorge. Der Staat dringe immer häufiger in das Privatleben der Bürger ein, so die Partei. »Das Thema Bürgerrechte ist bei den etablierten Parteien noch lange nicht angekommen,« konstatiert Thorsten Wirth, Vorstandsmitglied der Piratenpartei. »Erst am Montag hat die FDP in Sachsen die Überwachung von Internet-Telefonaten beschlossen und sich damit von einem ihrer zentralen Wahlkampfversprechen verabschiedet. Es reicht nicht aus, das Thema Bürgerrechte im Wahlkampf anzusprechen, man muss es danach auch umsetzen.«
»Auch in Hessen ist die FDP an weiteren Überwachungsmaßnahmen beteiligt,« so Wirth, der dort für den Bundestag kandidiert. »In den Koalitionsvertrag mit der CDU hat sie im Januar 2009 das »verdachtsunabhängige Kfz-Scanning« aufgenommen. Das hatte Karlsruhe aber bereits im März 2008 für verfassungswidrig erklärt.«[2][3]
»Die etablierten Parteien verwenden das Wort Bürgerrechte nur als Worthülse, um Wählerstimmen zu gewinnen. Viele Politiker scheinen die Missachtung der Bürgerrechte so sehr verinnerlicht zu haben, dass ihnen gar nicht mehr auffällt, wenn sie es selbst tun. Wir brauchen hier ein grundsätzliches Umdenken. Bürgerrechte müssen wieder Grundlage der Politik werden und nicht Nebeneffekt.«
»Überwachung schafft einen Orwellschen Staat, der durch Misstrauen geprägt ist«, so Nicole Hornung aus dem Bundesvorstand der Piraten. »Die Piratenpartei Deutschland steht für eine freiheitliche Gesellschaft, in der die Bürger ihre grundlegenden Rechte auf Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung uneingeschränkt wahrnehmen können. Wer den Bürgern diese Grundlagen nehmen will, handelt skrupellos und gefährdet die Demokratie. Was wir brauchen, sind nicht einzelne positive Handlungen. Wir brauchen den kompletten Ausstieg aus der Überwachungsspirale.«
Links:
[1]http://www.sueddeutsche.de/politik/159/488554/text
[2]http://www.fdp-hessen.de/files/274/Koalitionsvereinbarung_CDU_FDP_HESSEN_20090130_Ansicht.pdf (Seite 61)
[3]http://www.juraforum.de/jura/news/news/p/3/id/228537/f/106
Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland
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Kommentare
Verfassungsschutz soll bald als Polizei agieren
Verfassungsschutz soll bald als Polizei agieren
Das Bundesinnenministerium will die Kompetenzen des Inlandsgeheimdienstes Verfassungsschutz deutlich aufwerten. Dieser soll mehr Möglichkeiten zur Überwachung der Bevölkerung erhalten.
Das geht aus einem Papier hervor, dass den Titel "Vorbereitung Koalitionspapier" trägt und auf den 22. September datiert ist. Das Dokument liegt der 'Süddeutschen Zeitung' vor. Die Aufgaben von Polizei und Verfassungsschutz sollen zusammengefasst und die Trennung von zwischen Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten damit aufgehoben werden.
Insbesondere will man dem Verfassungsschutz die Online-Durchsuchung von Computern und den Zugriff auf Vorratsdaten erlauben. Dies ist nach bisheriger Gesetzeslage nur dem Bundeskriminalamt gestattet - und selbst diese Regelung wird vom Bundesverfassungsgericht bereits geprüft.
Weiterhin will man dem Geheimdienst Lauschangriffe auf Wohnungen erleichtern und die Analyse des genetischen Fingerabdrucks zur Standardmaßnahme bei der erkennungsdienstlichen Behandlung machen, hieß es. Auch bei kleinen Straftaten würde damit eine Genanalyse durchgeführt und nicht wie bisher, ausschließlich bei schweren Fällen und selbst dann nur nach richterlicher Prüfung.
Mit der Erstellung des Papiers sollen mehrere Abteilungen des Innenministeriums befasst gewesen sein. Seitens des Ministeriums wiegelt man aber ab. Das Dokument sei lediglich als Wunschzettel einzelner Bereiche zu verstehen, mit dem die Leitungsebene nichts zu tun habe.
Quelle:WF News 25.09.2009
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen..........
Meine Leute und ich wählen Piraten!!!
Greetz
JogyV