Keine vorgespielten Lösungen für echte Probleme

Pressemitteilung - Veröffentlicht am 01.10.2009

Die Piratenpartei lehnt den Vorstoß des „Expertenkreises Amok“ ab, ein Verbot von Ego-Shootern bzw. sogenannten „Killerspielen“ politisch umzusetzen.

Mordwaffe 2.0
Florian Bischof, Kulturpirat im Berliner Landesvorstand dazu: "Die sogenannten Killerspiele sind nicht Ursache von Amokläufen und Gewaltbereitschaft, sondern alltäglicher Teil der Freizeitkultur mündiger Bürger. Computerspiele werden bereits heute von der USK mit Altersbeschränkungen belegt und bei Straftatbeständen wie Kriegsverherrlichung oder Verletzung der Menschenwürde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert (§15 Abs. 2 JuSchG). Das geforderte Totalverbot von Spielen mit Kriegshandlung wird die Spieler in die Illegalität treiben."

Bischof weiter: "Die Gewaltbereitschaft von jugendlichen Einzeltätern resultiert aus der sozialer Kälte der Ellenbogengesellschaft, Jugendarbeitslosigkeit, Verarmung, überforderten Eltern, von den Medien geschürten Zukunftsangst, fehlenden Liebe und Zuneigung. Killerspiele dienen der Politik als einfaches Mittel, um zu polarisieren, Zensur einzuführen und die Öffentlichkeit von den eigentlichen, wichtigen Themen abzulenken. Ein "Killerspielverbot" kann kein Ersatz für Investitionen in Jugendhilfe und Bildungssystem sein. Wir wollen keine staatliche Spiel-Zensurbehörde."

Schon die Behauptung „Amoktäter verfügten zum Teil über enorme Treffsicherheit durch Einübung mit [...] bestimmten Computerspielen“ wirft Zweifel auf die Medienkompetenz des selbsternannten „Expertenkreis“. Inwiefern ein Täter den Umgang mit einer echten Schusswaffe durch das Spielen eines Computerspiels mit einer Maus oder einem Gamepad erlernt haben soll, bleibt der Abschlussbericht dem Leser schuldig.

Auf heftige Kritik stößt bei der Piratenpartei die Forderung des Expertenkreises, das Zugangserschwerungsgesetz auf Ego-Shooter auszuweiten. Das im Juni von der Großen Koalition verabschiedete Gesetz sollte ursrpünglich nur auf Anbieter von kinderpornografischen Inhalten beschränkt sein. Begehrlichkeiten nach einer Ausweitung des Gesetzes waren allerdings schon von zahlreichen Stellen geäußert geworden. Die Piratenpartei lehnt das Gesetz in Gänze ab, da es gegen die Verbreitung von Kinderpornografie nutzlos ist und weitergehenden Zensurbestrebungen durch Politik oder Interessengruppen Tür und Tor öfffnet.

== Kurzinfo: Bisherige Studien über Ego-Shooter ==

Zahlreiche international anerkannte und nach wissenschaftlichen Maßstäben überprüfbare Studien belegen, dass es keine Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Computerspielen und den "Amok-Läufen" jugendlicher Täter in Schulen gibt. So werden im Gegenteil den Spielern von Ego-Shootern oder Actionspielen sogar zahlreiche positive Effekte bescheinigt: Angefangen von das Sozialverhalten fördernden Elementen wie gesellschaftlichem Engagement, Sozialkompetenz und dem Wir-Gefühl (Studie aus 2006 von der Northwestern University in Chicago), bis hin zu medizinisch positiven Resultaten wie besseren Seheigenschaften von Spielern (Studie aus 2009 von der Universität Rochester, publiziert im Fachjournal Nature Neuroscience). Gewaltfördernde Effekte treten demnach nicht auf.

Verantwortlich für die Erstellung dieser Pressemitteilung: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland
Verantwortlich für den Versand dieser Pressemitteilung: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland

Kommentare

Mail an Aktionsbündnis

Hab ne Mail and die geschrieben:

Guten Tag Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden,

Heute habe ich im Internet über die Aktion "Familien gegen Killerspiele" erfahren und war begeistert von eurem vorhaben die kreativen Werke (Spiele) zu entsorgen. Wir alle wissen ja, dass Kreativität und Kunst, sowie logisches und rationales Denken die natürlichen Ursachen für alle Probleme dieser Welt sind, deswegen finde ich das Populismus und Propaganda wie es in dem Fall betrieben wird, einfach alles wieder besser machen wird. Jedoch finde ich ist eure Methode nicht wirksam genug, außer der Vernichtung dieser grotesken Killerspiele sollte man alle Gamer öffentlich kennzeichen, am besten mit einem Stern, dann weiss jeder sofort, dass man damit einen Gamer meint (wegen dem Stern aus Super Mario). Auf Dauer wird das allerdings nicht reichen, dannach sollten wir den "Gamern" verbieten jegliche öffentliche Einrichtungen zu besuchen um die Gefahr eines Amoklaufes zu verkleinern. Die perfekte Lösung wäre allerdings die Wiederaufbau einiger Arbeitslager um die "Gamer" als Gefahrenquelle von der Gesellschaft fernzuhalten und mit gemeinnützlicher Arbeit zu beschäftigen. Nur so werden wir unsere Gesellschaft von Amokläufern endgültig reinigen und diese entartete Kunst "Killerspiele" loswerden.

Was man allerdings auf keinem Fall zulassen darf, ist dass die Familien anfangen sich um ihre Kinder zu kümmern, sich mit ihnen auseinandersetzten und verständigen. Themen wie Medienaufkärung der Kinder und Eltern, Möglichkeiten für Kinder sich zu frei zu entwickeln, Freunde zu finden, sich zu bilden und frei zu informieren dürfen auf keinen Fall gegeben sein, denn ein freier Gedanke ist der Tod jeglicher Propaganda.

Mit freundlichen Grüßen,
Deutschland 1933 - 1945