Pressemitteilung Landesverband Schleswig-Holstein - Veröffentlicht am 23. November 2009

Elf Jahre als Abgeordnete im Bundestag und fünf Jahre im Europaparlament, die Tätigkeiten als Mitbegründerin und ehemalige Bundesvorsitzende der GRÜNEN, sowie zahlreiche parlamentarische und außerparlamentarische Funktionen machen Angelika Beer zu einer der erfahrensten Frauen in der bundesdeutschen Politik. Ab sofort steht dieser Erfahrungsschatz den Piraten nach ihrem Beitritt zum Landesverband Schleswig-Holstein der Piratenpartei zur Verfügung.
Im zurückliegenden Wahlkampf hat sie die Piratenpartei bereits tatkräftig unterstützt und ihr am Tag der Wahl ihre Stimme gegeben. Anders als andere Politiker, die von einem Tag auf den anderen die Partei wechseln, hat sich Angelika Beer allerdings den Schritt, der Piratenpartei beizutreten, sehr gut überlegt. Sie hat sich dafür fast acht Monate Zeit genommen, weil sie nichts vom "Parteienhopping" hält. Inhaltlich fiel es Angelika Beer angesichts der Übereinstimmung mit den Kernthemen der Piratenpartei leicht, eine neue politische Heimat bei den Piraten zu finden. Die konsequent basisdemokratisch ablaufenden Entscheidungsprozesse mit all ihren Vor- und Nachteilen im politischen Alltag machten die Partei für sie zusätzlich attraktiv.
Die in den letzten Jahren vor allem als außen- und sicherheitspolitische Expertin hervorgetretene Politikerin war stets auch als Menschen- und Bürgerrechtlerin aktiv. Bereits 1990 war sie Referentin für Menschenrechtsfragen und blickt damit auf beinahe 20 Jahre politische Tätigkeit in diesem Feld zurück. Für die Piratenpartei ist es deshalb auch ein besonderes politisches Kompliment, dass Angelika Beer Menschenrechtsfragen bei den Piraten als sehr gut aufgehoben betrachtet und sie freut sich auf ihre Mitarbeit.
Angelika Beer sprach am vergangenen Wochenende auf der "Demonstration gegen Rechtsextremismus" in Husum im Sinne der Piratenpartei. Dass sie dabei ganz offensichtlich die richtigen Töne anschlug, belegte der Beifall der Teilnehmer. Sie sagte unter anderem: »Jede und jeder der von unserer Demokratie nicht nur profitieren, sondern sie auch verteidigen will, ist aufgerufen, nicht nur von Zivilcourage zu reden, sondern Bündnisse zu suchen, um Zivilcourage zu praktizieren. Jedes Stück Demokratie, das wir nicht aktiv verteidigen, droht zu einer Grauzone zu werden, die die extreme Rechte versucht zu besetzen.«
Sie zitierte den schwedischen Schriftsteller Stieg Larsson, um die Menschen anzusprechen, die meinen, den Rechtsextremen ihre Existenzberechtigung aufgrund der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit zubilligen zu können: »Die […] Demokratie baut im Kern auf einem einzigen Recht auf, nämlich der Meinungsfreiheit. Es ist das unveräußerliche Recht, zu sagen, zu denken und zu glauben, was man will. Dieses Recht gilt für alle Staatsbürger, vom primitivsten Neonazi bis zum Steine werfenden Anarchisten, und für alles was dazwischen liegt. [...] Diese Freiheit bedeutet jedoch nicht, dass alles erlaubt ist, wie es gewisse Meinungsfundamentalisten, vor allem pädophile und rassistische Gruppierungen, in der kulturpolitischen Debatte so gern ins Feld führen. Jede Demokratie hat ihre Grenzen, und die Grenzen der Meinungsfreiheit werden vom Pressegesetz geregelt. […] Es ist verboten, zu Verbrechen aufzufordern oder aufzuwiegeln. Es ist verboten, einen anderen Menschen in seiner Ehre zu beleidigen und zu verleumden. Und es ist verboten, gegen eine Volksgruppe zu hetzen. [...] Der Grundgedanke hinter dieser Gesetzgebung ist der, dass kein Mensch das Recht hat, einen anderen Menschen zu schikanieren oder zu erniedrigen.«
Angelika Beer erinnerte an die traurige Kette rechtsextremistischer Straftaten von Solingen, Rostock, Lübeck und Mölln bis hin zu den allein im September 2009 begangenen 1.488 Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund, von denen 98 Gewalttaten waren. Die Waffenfunde bei Neonazis in Nordfriesland im Oktober 2009, bei denen u.a. sechs Maschinenpistolen sichergestellt wurden, unterstreichen, wie gewaltbereit und gefährlich die Rechtsextremen sind, so Angelika Beer. Die Morddrohungen einer besonders radikal agierenden Neonazibande gegen einen Jugendlichen aus Aachen oder den lebensgefährlichen Angriff auf einen Schwarzafrikaner in Hamburg vor wenigen Tagen sprach sie genauso an wie den Vorfall, der zur Demo in Husum führte. Jugendliche auf dem Heimweg wurden in Husum von Rechtsextremen angegriffen.

Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung: Landespressestelle Schleswig-Holstein der Piratenpartei Deutschland
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Verantwortlicher Redakteur: Wolfgang Dudda
Kommentare
Angelika Beer + Kosovo-Krieg
Vermutlich haben sich die Kommentatoren, die Beer in der Partei begrüßen nicht informiert. Hier kurze Hinweise:
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/science/Albrecht.html
Lehren aus dem Kosovo-Krieg Von Ulrich Albrecht
Auszug
Selbst sachlich berufene Abgeordnete wie die Grüne verteidigungspolitische Sprecherin Angelika Beer betonen nach
wie vor, sie hätten bei der Abstimmung im März im Bundestag
den Vertragsentwurf nicht gekannt, der sei geheim gewesen.
Hätte sie den Text, besonders den Implementationsteil, lesen
können, so Angelika Beer, so hätte sie anders abgestimmt.
Auszug Ende
Soviel zur parlamentarischen Kontrolle . . .
Und hier wird ganz interessant. Der Artikel läßt nichts offen:
http://www.wsws.org/de/2000/jun2000/grue-j17.shtml
Vom Pazifismus zum Militarismus
Bündnis 90/Die Grünen fordern schlagkräftige Berufsarmee
Von Ulrich Rippert 17. Juni 2000
Auszug
Der Rechtsruck, der mit dem Kosovokrieg durch die Parteien ging,
zeigt sich bei den Grünen am allerdeutlichsten. Nur drei Monate
nach Kriegsende legte die verteidigungspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Angelika Beer, ein 12-seitiges Papier
mit dem Titel "Weniger ist mehr! Überlegungen zu einer sicherheitspolitischen und technologisch orientierten Modernisie-
rung der Bundeswehr" vor. Bisher hatten die Grünen ihre Opposition gegen die Wehrpflicht immer mit der Ablehnung der Armee verbunden. Nun fordern sie die Abschaffung der Wehrpflicht und die Bildung einer schlagkräftigen Berufsarmee, die schnell und zuverlässig rund um die Welt eingesetzt werden kann.
Nach Ansicht von Angelika Beer muss die Bundeswehrreform darauf ausgerichtet sein, einen starken deutschen Beitrag zum Aufbau
einer eigenständigen europäischen Verteidigungsidentität zu leisten: "Bündnisverteidigung und Krisenmanagement erfordern die Restrukturierung der Bundeswehr hin zu einer Armee, die angemessene, hervorragend ausgebildete und adäquat ausgestattete Kräfte von geringer Mobilisierungsabhängigkeit in Europa sowie seinen Rand- und Nachbargebieten zum Einsatz bringen kann."
Erforderlich hält Beer Streitkräfte, "die durch hohe Mobilität, technische und operative Überlegenheit, Führbarkeit und flexible Einsatzmöglichkeiten im Kontext multinationaler und internationaler Einsätze gekennzeichnet sind". Nach detaillierten technischen Vorschlägen zur Umgestaltung der Armee, um "leistungsfähigere und kostengünstigere Streitkräfte" zu schaffen, schließt Beer ihren Text mit einem deutlichen Bekenntnis zu den nationalen deutschen Interessen und der Warnung, es bestehe die Gefahr, "dass wir die Chance eines deutschen Beitrags zum Wandel der internationalen Beziehungen verpassen". Auszug Ende Bitte weiterlesen. . .
Schmeißt sie raus! In hohem Bogen!