Angriff der CDU auf die Rundfunkfreiheit

Pressemitteilung - Veröffentlicht am 27. November 2009

ZDFCDU (cc)Der Vertrag von Nikolaus Brender, dem Chefredakteur des ZDFs, wurde heute nach einer Entscheidung des ZDF-Verwaltungsrates nicht verlängert. Dieses Gremium ist mehrheitlich aus dem Lager der CDU besetzt, der Brenders unabhängige Art des Journalismus schon lange ein Dorn im Auge war. Der Chefredakteur widersetzte sich stets der parteipolitischen Einflussnahme auf seinen Sender.

Die Piratenpartei Deutschland ist entsetzt über diese Entscheidung. Hier wurde ein Chefredakteur aus dem Amt gedrängt, der nicht nach den Regeln der CDU spielen wollte. Dies widerspricht den Grundsätzen unserer Demokratie. Keine Partei hat ein Recht darauf, auf diese Weise die Presse- und Rundfunkfreiheit in Deutschland zu beeinflussen.

Brender ist seit zehn Jahren Chefredakteur des ZDF. Dass er sich dabei stets für eine parteiunabhängige Berichterstattung einsetzte, passte der CDU schon seit Beginn seiner Tätigkeit nicht. Federführend bei der Kritik an Brender war Hessens CDU-Ministerpräsident Roland Koch, der selbst Mitglied des ZDF-Verwaltungsrates ist.

Am heutigen Freitag wurde über Brenders Vertragsverlängerung um weitere fünf Jahre abgestimmt. Der Verwaltungsrat, der aus 14 Mitgliedern besteht, setzt sich zum überwiegenden Teil aus Mitgliedern der CDU zusammen, nur fünf Vertreter kommen aus den Reihen der SPD. Als vorgeblicher Grund für Benders Kündigung wurden die schlechten Einschaltquoten des Nachrichtenmagazins "heute" im Jahre 2008 genannt, die angeblich hinter denen von "RTL Aktuell" lagen. Allerdings beruht diese Aussage nicht einmal auf der Wahrheit [1].

Es ist auch nicht die eigentliche Aufgabe des Verwaltungsrates, Personalentscheidungen zu treffen. Dafür ist der Intendant Markus Schächter zuständig, der zwar eine Verlängerung von Brenders Vertrag forderte, aber sich gegen die CDU-Übermacht nicht durchsetzen konnte.

Bereits im Vorfeld der heutigen Abstimmung kritisierten 35 renommierte Staatsrechtler in einem offenen Brief den Versuch der CDU, Brender aus seinem Amt zu drängen. Sie erklärten »die Angelegenheit zum Verfassungsrechtsfall«.

»Heutzutage werden Meinungen gemacht und nicht gebildet. Und dass derjenige, der die Meinungen macht, auch die Macht hat, geht im Tagesgeschäft nur allzu leicht unter«, sagt Thorsten Wirth, Vorstandsmitglied der Piratenpartei. »Ein Verwaltungsrat, der solch wichtige Entscheidungen trifft, muss völlig unabhängig von parteilichen Einflüssen sein. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten werden sonst häppchenweise zum Staatsfernsehen. Das ZDF darf keine Dauer-Koch-Sendung werden.«


Quelle:

[1] http://satundkabel.magnus.de/artikel/tv-nachrichten-rtl-sieht-sich-vor-heute-im-zdf-ohne-3sat-zuschauer.html


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Verantwortlicher Redakteur: Daniel Flachshaar

Kommentare

Ist ja wieder typisch

Egal wohin man im Journalismus sieht, meist sind die Journalisten oder ähnliches von anderen beeinflusst.
Nicht nur im Fernsehen ist das so, auch in der Zeitung.
Nehmen wir mal 2 Zeitungen aus meiner Umgebung:

Ruhr-Nachrichten: Geht Richtung CDU
Westfälische Rundschau: " " SPD

Wäre ja nicht so schlimm, aber wenn ich höre bzw. lese, das jmd. rausfliegt, weil er nich parteiisch ist, dann platzt mir der Kragen.
In einer Demokratie sollte Pressefreiheit herrschen...tia, da sieht man das heutzutage kaum jmd. mehr auf die Grundrechte guckt.
Beispiel Zensur.

Sowas geht echt zuweit...will man bald die Leute manipulieren?
Guckt mal, viele haben ja gesehen, das die Medien meist gegen "Killerspiele" wettern (ja da muss man wieder sowas aufgreifen).
Ich glaube 100 pro, das da auch Einflüsse der Parteien, beispielsweise CDU, dabei sind.

Immer schön aufpassen, das man bloß nichts falsches sagt oder tut, was nicht im Konzept der jeweiligen Partei, Konzept oder Einfluss passt.

Leute Leute Leute...so gehts net weiter, wo bleibt die FDP eigentlich, wenn man sie braucht?!